Die Auftaktveranstaltung 2026 in Halle (Saale) stärkte die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern Zentralasiens. Zahlreiche Akteure aus Forschung, Politik und Wirtschaft identifizierten Herausforderungen und initiierten ein gemeinsames Netzwerk, um Kooperation, Ressourcen und Sichtbarkeit langfristig zu verbessern.

Hintergrund

Mit der im Jahr 2023 initiierten strategischen Regionalpartnerschaft zwischen Deutschland und den Ländern Zentralasiens („Z5+1-Format“) wurde ein wichtiger politischer Rahmen für den Ausbau der wissenschaftlichen Zusammenarbeit geschaffen. Um Forschungskooperationen mit der Region langfristig zu stärken, veranstaltete die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) vom 23. bis 25. Februar 2026 in Halle (Saale) an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina das erste Deutsche Hochschul- und Wissen-schaftsforum Zentralasien (DHWZ). Das Forum wurde von der Auslandsrepräsentanz der MLU in Almaty – dem dort ansässigen Central Asia Sustainable Innovation Bureau (CASIB) – mit Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) so-wie des DLR Projektträgers organisiert.

Das Forum

Mit insgesamt 225 Teilnehmenden waren neben deutschen forschungspolitischen Akteuren und den Botschaftern aller fünf zentralasiatischen Staaten auch 43 Universitäten und Hochschulen, 17 Forschungsinstitute sowie 20 weitere Institutionen (darunter Stiftungen, Vereine und Forschungsförderer) vertreten. Zudem nahmen acht Unternehmen aus der Privatwirtschaft teil.
Zum Auftakt des Forums würdigten die Bot-schafter sowie der Staatssekretär des BMFTR mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in Wissen-schaft, Forschung und Innovation die Fortschritte in den regionalen Beziehungen. Damit bekräftig-ten die Länder ihr gemeinsames Interesse, die Kooperation in den genannten Bereichen fortzufüh-ren und die forschungspolitische Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

Die Präsentation erfolgreicher und langjähri-ger Kooperationen mit der Region diente der exemplarischen Veranschaulichung von Best Practices in der Hochschul- und Forschungszusammenarbeit mit Partnern in Zentralasien. Dabei wurde ein breites Spektrum an Kooperationsformaten, beteiligten Institutionen und Förderme-chanismen vorgestellt. In anschließenden Work-shops wurden die Herausforderungen der Zusam-menarbeit mit Zentralasien analysiert. Als Grund-lage für die weiterführenden Beiträge und Diskus-sionen diente das aus dem Jahr 2023 stammende „Positionspapier deutscher Forschungs-, Mittler- und Förderorganisationen mit Empfehlungen für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Zentralasien in Wissenschaft, Forschung und Bildung“.

Herausforderungen

Die Ausführungen der Teilnehmenden unter-strichen, dass vor allem begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen – sowohl in den Ländern Zentralasiens als auch in Deutschland – eine zentrale Herausforderung darstellen. Ebenso wurde deutlich, dass in Zentralasien hinsichtlich der Forschungsinfrastruktur und des Fachpersonals – insbesondere im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses – weiterhin Entwicklungspotenzial besteht. Zudem zeigte sich, dass eine engere Verzahnung von Sozial- und Naturwissenschaften sowie eine bessere Sichtbarkeit der Projekte dazu beitragen könnten, die Wirkung auf politische Entscheidungsprozesse zu stärken. Viele Teilnehmende hoben außerdem die Notwendigkeit ressortübergreifender Ansätze bei der Förderung von Hochschul- und Forschungskooperationen sowie bei der Implementierung von Forschungsergebnissen in die Praxis hervor.

Vision

Die Teilnehmenden entwickelten erste Anforderungen an ein Netzwerk, um die identifizierten Herausforderungen gezielt bewältigen zu können. Der Großteil der Befragten sieht in der Gründung eines gemeinsamen Netzwerks eine geeignete Möglichkeit, den Wissens- und Erfahrungsaustausch durch offenen Dialog und vereintes Auftreten zu stärken sowie die Sichtbarkeit von Kooperationsaktivitäten und -ergebnissen zu erhöhen. Daraus ergeben sich zahlreiche positive Effekte für die wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Praxis. Die Mehrheit der Teilnehmenden erwartet insbesondere Vorteile bei der Identifikation und Kommunikation von Forschungs- und Transferthemen, bei der Projektantragstellung, bei der langfristigen und aufeinander aufbauenden Entwicklung von Kooperationen sowie bei einer effizienteren Ressourcenallokation durch die gemeinsame Nutzung von Forschungsressourcen (z. B. Messgeräte oder Dateninfrastrukturen). Zusätzlich werden Erleichterungen bei Visa- und Logistikprozessen erhofft. Von zentraler Bedeutung ist dabei die enge Einbindung der zentralasiatischen Partner.
Die außerordentlich positive Resonanz und die aktive Bereitschaft beim ersten DHWZ verdeutlichen das große Interesse an einer stärkeren Vernetzung in der Forschung mit Zentralasien. Die Beteiligten planen den Ausbau weiterer Austausch- und Vernetzungsformate, um die Effizienz und Sichtbarkeit gemeinsamer Kooperationsinitiativen gegenüber Fördermittelgebern nachhaltig zu erhöhen. Die Mehrheit der Befragten befürwortet die Entwicklung kontinuierlicher und themenoffener Formate, wovon auch Themenbereiche profitieren, die bislang nicht im Fokus der Förderpolitik standen. Damit zeichnen sich erste mögliche Entwicklungspfade für ein Zentralasiennetzwerk ab.

Danksagung

Wir danken allen Teilnehmenden und freuen uns darauf, Sie im vom 22. bis 24. Februar 2027 in Halle wieder begrüßen zu dürfen.

Peter Liebelt, Christopher Conrad, Moritz Koza and Gerd Schmidt

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